Nachhaltigkeit im Einkauf: Herausforderungen mit und ohne CSRD

Nachhaltigkeit ist längst kein „Nice-to-have“ mehr – sie ist eine unternehmerische Notwendigkeit. Besonders im Einkauf steigen die Anforderungen, nicht nur durch gesetzliche Vorgaben wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), sondern auch durch steigende Erwartungen von Kunden, Investoren und der Gesellschaft. Doch wo liegen die tatsächlichen Herausforderungen?

1. Datenverfügbarkeit und Transparenz Einer der größten Stolpersteine ist die Verfügbarkeit und Qualität von Nachhaltigkeitsdaten entlang der Lieferkette. Ohne umfassende Informationen zu CO₂-Emissionen, Sozialstandards oder Recyclingquoten ist es schwierig, fundierte Entscheidungen zu treffen. Die CSRD sollte diese Anforderung ursprünglich verschärfen, indem Unternehmen detaillierter über ihre Nachhaltigkeitsleistung berichten müssen. Doch mit den jüngsten Einschränkungen der CSRD fallen einige Berichtspflichten weg oder werden entschärft. Trotzdem bleibt die Forderung nach Transparenz bestehen – Kunden, Investoren und andere Stakeholder erwarten weiterhin belastbare Daten zur Nachhaltigkeit.

2. Lieferantenmanagement und Compliance Viele Unternehmen haben globale Lieferketten mit Zulieferern, die unterschiedlich stark reguliert sind. Die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards zu überprüfen, ist aufwändig. Auch wenn die CSRD nun in Teilen gelockert wird, bleibt der Druck bestehen, sich intensiver mit den Lieferanten auseinanderzusetzen. Nachhaltigkeitskriterien in die Lieferantenbewertung einzubeziehen, ist nicht nur eine Frage der Compliance, sondern auch ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.

3. Kosten vs. nachhaltige Beschaffung Nachhaltige Materialien und Prozesse sind oft mit höheren Kosten verbunden – zumindest kurzfristig. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, wirtschaftliche Ziele mit ökologischen und sozialen Anforderungen in Einklang zu bringen. Wenn Sie jetzt investieren, können Sie sich jedoch Wettbewerbsvorteile sichern, da nachhaltige Produkte und Dienstleistungen zunehmend nachgefragt werden. Auch ohne strenge gesetzliche Vorgaben ist die Nachfrage nach verantwortungsbewusst beschafften Produkten ungebrochen. Gleichzeitig fehlen oft die notwendigen Ressourcen, um die Nachhaltigkeitsstrategie effektiv umzusetzen. Besonders kleinere Unternehmen kämpfen mit begrenzten Kapazitäten, da das Tagesgeschäft bereits anspruchsvoll ist und wenig Raum für zusätzliche Aufgaben lässt. Es gibt viele Beratungen, Strategien und Vorschläge, doch an der Umsetzung scheitert es oft, weil es ressourcentechnische Engpässe gibt und die meisten Unternehmen schlichtweg nicht die Kapazitäten haben. Mitarbeiter sind bereits stark ausgelastet, sodass nachhaltige Beschaffung häufig als zusätzlicher Aufwand wahrgenommen wird.

4. Innovation und Kreislaufwirtschaft Nachhaltigkeit im Einkauf bedeutet nicht nur, bestehende Prozesse zu optimieren, sondern auch Innovationen voranzutreiben. Kreislaufwirtschaftsmodelle, die auf Wiederverwendung und Recycling setzen, erfordern ein Umdenken in der Materialbeschaffung und Produktgestaltung. Unternehmen, die hier frühzeitig investieren, können Kosten senken und regulatorischen Anforderungen zuvorkommen – unabhängig davon, wie streng die Berichtspflichten ausfallen.

5. Veränderungsmanagement und interne Widerstände Eine nachhaltige Beschaffungsstrategie erfordert oft ein Umdenken in der gesamten Organisation. Widerstände aus einzelnen Abteilungen oder von Lieferanten sind nicht selten. Es braucht eine klare Strategie, Schulungen und eine transparente Kommunikation, um alle Beteiligten ins Boot zu holen. Auch wenn gesetzliche Vorgaben weniger strikt sind, bleibt es essenziell, Nachhaltigkeit als festen Bestandteil der Unternehmensstrategie zu etablieren.

Fazit Ob mit oder ohne verschärfte CSRD-Regelungen – Nachhaltigkeit im Einkauf bleibt eine zentrale Herausforderung. Unternehmen, die jetzt Transparenz schaffen, Lieferanten einbinden und nachhaltige Innovationen fördern, sichern sich langfristig eine starke Marktposition. Regulierungen mögen sich ändern, aber die Erwartungen von Kunden und Investoren bleiben hoch.